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Ich habe endlich mein Leben zurück

Ich habe endlich mein Leben zurück

Ich habe endlich mein Leben zurück

Müde, gestresst und immer auf der Suche nach der nächsten Toilette – so fühlte sich Nadine H. mindestens acht Tage im Monat. Die 32-Jährige aus dem bayerischen Sulzbach-Rosenberg litt unter einer extrem starken Regelblutung. Der hohe Leidensdruck und das Gefühl, ihrem Zyklus ausgeliefert zu sein, brachte sie soweit, dass sie für sich nur noch eine Option sah: Eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie). Doch durch eine alternative Therapie blieb Nadine nicht nur ihre Gebärmutter erhalten, sie gab der Mutter einer kleinen Tochter auch ihre Lebensqualität zurück.

Ein normaler Alltag war nicht möglich

Seit der Pubertät litt Nadine unter einer sehr starken und langen Regelblutung (Menorrhagie). Jahrelang nahm sie die Pille, um die Blutungen unter Kontrolle zu bekommen – ohne Erfolg. Nach der Geburt ihrer Tochter vor fünf Jahren war ihre Periode noch stärker geworden. „Meine Regelblutung dauerte normalerweise etwa acht Tage“, erinnert sich Nadine. „Davon waren die ersten fünf so schlimm, dass ich mehrere dicke Binden übereinanderlegen und zusätzlich Tampons nutzen musste.“ Außerdem war Nadine ständig erschöpft und litt während ihrer Periode unter krampfartigen Bauchschmerzen. „Man hat es mir angesehen. Ich war müde, blass und konnte einfach nicht mehr.“

Mit Freundinnen ausgehen, einen Stadtbummel machen oder Fahrradfahren: An all diese alltäglichen Tätigkeiten war während ihrer Tage nicht zu denken – zumindest nicht ohne die Sorge, dass die nächste Toilette zu weit entfernt ist. Auch der Besuch im Freibad mit ihrer Tochter fiel entweder ganz aus, oder Nadine musste angezogen am Beckenrand stehen bleiben und ihrer Kleinen beim Schwimmen zusehen. „Wie soll eine Fünfjährige verstehen, dass die Mama aufgrund ihrer Regel nicht mitmachen kann?“

Sogar Nadines Arbeitsalltag als Stationshilfe in der Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg wurde durch die starken Blutungen beeinträchtigt – und der nur etwa fünf Kilometer lange Weg zur Klinik zur nervlichen Belastung. „Nicht einmal den konnte ich ohne Sorge zurücklegen, dass mein Schutz nicht ausreicht. Dadurch kam ich völlig gestresst auf der Arbeit an.“

Auch Reisen plante Nadine nach ihrem Zyklus – nachdem ihr vor zwei Jahren im Familienurlaub auf Mallorca ihre Periode die Ferienstimmung getrübt hatte. „Ich war die letzten zwei Tage quasi im Hotelzimmer eingesperrt, während mein Mann und meine Tochter zum Strand gefahren sind.“

Letzter Ausweg Gebärmutterentfernung?

Die Beschwerden trieben Nadine so zur Verzweiflung, dass sie ihre Frauenärztin schließlich um eine Gebärmutterentfernung bat. „Ich dachte mir irgendwann, ich brauche die Gebärmutter nicht mehr, weil sie mein Leben nur noch einschränkt“, erinnert sich Nadine. „Es war deshalb mein größter Wunsch, dass ich sie entfernt bekomme.“ Aufgrund ihres jungen Alters und der Endgültigkeit dieses Eingriffs riet ihr ihre Frauenärztin zunächst davon ab. Für die 32-Jährige stand die Entscheidung allerdings fest, eine andere Alternative als dieser radikale Schritt kam für sie nicht infrage. Zum einen war die Familienplanung von Nadine und ihrem Mann nach der Geburt ihrer Tochter bereits abgeschlossen, auch eine Sterilisation hatte sie bereits hinter sich. Zum anderen wurde der Leidensdruck immer stärker. „Das war für mich kein Leben mehr. Ich muss doch im Alltag funktionieren.“ Doch statt einen Termin für eine Hysterektomie zu vereinbaren, empfahl Nadines Frauenärztin ihr eine alternative Therapie: die Endometriumablation mit NovaSure.

Die Alternative: Goldnetz-Methode

Bei diesem minimal-invasiven Verfahren wird die Gebärmutterschleimhaut mit Hilfe eines Goldnetzes verödet. Die Gebärmutter selbst bleibt dabei erhalten. Allerdings darf auch bei dieser Methode kein Kinderwunsch mehr bestehen (mehr Infos zum Eingriff siehe Infokasten). Das Verfahren wird deutschlandweit von ausgewählten Ärzten angeboten. Lange nach einem Experten suchen musste Nadine allerdings nicht. Als sie auf der Arbeit im St. Anna Krankenhaus von dieser Behandlung erzählte, erfuhr sie, dass NovaSure seit kurzem auch dort angeboten wird. So konnte sie sich direkt umfassend durch Chefarzt Dr. Sascha Vietoris (Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe) aufklären lassen. Durchgeführt wurde der Eingriff schließlich im November 2018 von Oberärztin Dr. Eva-Maria Link (siehe Experten-Interview). Und alles lief problemlos. Bereits zwei Stunden nach dem stationären Eingriff konnte Nadine wieder aufstehen, nach nur einer Nacht im Krankenhaus ging es wieder nach Hause. Auch die Nachkontrollen verliefen unauffällig. Heute geht es Nadine deutlich besser als vor dem Eingriff, denn ihre Blutungen sind deutlich schwächer geworden.

Endlich ein befreites Leben

Die Zeiten, in denen Nadine ständig nach der nächsten Toilette Ausschau halten musste, sind endgültig vorbei. So ist es für sie auch während der Periode wieder möglich, einen Stadtbummel und Ausflüge mit Freundinnen zu machen. Denn der zeitliche Spielraum zwischen Tampon- oder Bindenwechsel ist seit der Endometriumablation deutlich größer geworden. „Vor dem Eingriff musste ich wirklich im 30-Minutentakt zur Toilette“, erzählt Nadine. „Jetzt kann ich den Tampon auch mal erst nach vier Stunden wechseln und mit normal-dicken Binden auch einmal eine Nacht durchschlafen.“

Durch die erfolgreiche Therapie mit NovaSure konnte Nadine also ein großes Stück Lebensqualität zurückgewinnen. Anderen Frauen, die unter einer Menorrhagie leiden, möchte sie Mut machen. „Ich kann nur jeder Frau, die so stark blutet wie ich raten: Bevor sie darüber nachdenkt, sich die Gebärmutter entfernen zu lassen, sollte sie sich informieren, ob das Verfahren bei ihr möglich ist. Ich habe dadurch so ein befreites Leben.“

Am meisten freut sich die 32-jährige Mutter allerdings auf den langersehnten Freibadbesuch im Sommer – natürlich mit ihrer Tochter. „Egal ob ich meine Tage habe oder nicht, ich kann endlich wieder mit ins Wasser. Meine Tochter wird es mir danken.“

Infokasten

Endometriumablation mit Nova-Sure

Bei diesem Verfahren wird die Gebärmutterschleimhaut, die die Blutung verursacht, durch Hitze verödet. Der minimal-invasive Eingriff erfolgt meist unter Vollnarkose und wird vaginal vorgenommen: Das Goldnetz wird in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Dort entfaltet es sich und passt sich in Länge und Breite genau dem Organ an. Das Goldnetz legt sich eng an die Gebärmutterschleimhaut an. Die Verödung erfolgt mittels elektrischer Energie und dauert durchschnittlich 90 Sekunden. Das Besondere: Die Gebärmutter selbst bleibt erhalten. Nach einer Endometriumablation haben die meisten Frauen nur geringe Beschwerden und sind bereits nach zwei bis fünf Tagen wieder fit für den Alltag.

Ob eine Endometriumablation mit NovaSure möglich und sinnvoll ist, sollte der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Patientin entscheiden. Wichtige Voraussetzung: Die Familienplanung muss bereits abgeschlossen sein. Denn nach dem Eingriff ist eine Schwangerschaft zwar theoretisch noch möglich, sie ist allerdings mit Risiken für Mutter und Kind verbunden. Aus diesem Grund müssen Patientinnen auch nach dem Eingriff weiterhin verhüten.

Mehr Infos zum Thema Symptome, Ursachen, Therapien und Behandlungsmethoden bei starken Regelblutungen sowie zur Goldnetz-Methode finden Sie unter: www.starke-regelblutung.de.

Experteninterview mit Dr. Eva-Maria Link

Oberärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg

Warum ist die Regelblutung bei manchen Frauen so stark?

Dies kann letztlich verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind das hormonelle Ungleichgewicht (oft auch in der Zeit um die Wechseljahre) und die mechanische Ursache in Form eines Myoms.

Welche körperlichen Beschwerden kann eine Menorrhagie zur Folge haben?

Abgesehen von der psychischen Belastung führt der übermäßig starke Blutverlust zu einem chronischen Abfall des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff), welchen der Körper oft schwer selbst ausgleichen kann. Das hat dann eine permanente Müdigkeit bis hin zur Kreislaufschwäche zur Folge.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Menorrhagie?

Ist die Ursache ein hormonelles Ungleichgewicht, ist die durchgängige Pilleneinnahme (ohne Pillenpause) eine Option, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Jedoch hat jede Medikamenteneinnahme auch Nebenwirkungen. Gleiches gilt für die Hormonspirale. Ist ein Myom der Grund für die starke Blutung, ist neben der Pilleneinnahme auch die Entfernung des Myoms möglich. Letztlich ist natürlich auch immer die komplette operative Entfernung der Gebärmutter eine Therapieoption, welche jedoch immer ein gewisses OP-Risiko und letztlich bei manchen Frauen auch lebenslang ein verändertes Gefühl in ihrer Sexualität mit sich bringt. Daher sollte die Entfernung der Gebärmutter immer als letzte Möglichkeit der Therapieschiene gesehen werden. Besteht kein Kinderwunsch mehr, ist in jedem Falle die Hochfrequenzablation (Goldnetzverfahren) der Schleimhaut der Gebärmutter (das sogenannte Endometrium) die modernste und effektivste Therapieoption.

Was steckt hinter dem Goldnetzverfahren?

Das ist ein kleiner operativer Eingriff mit sehr geringen Risiken, wobei die Gebärmutter erhalten werden kann. Bei dieser sogenannten Endometriumablation, also der Verödung der Gebärmutterschleimhaut, bleibt der hormonelle Regelkreis mit Eisprung erhalten. Es gibt somit keine Nebenwirkung wie bei der Pilleneinnahme. Es ist letztlich aber keine Schleimhaut mehr vorhanden, welche sich aufbaut und im Rahmen der Periode abblutet. Somit ist die Periode deutlich geringer oder bleibt völlig aus. Es besteht keine Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens mehr.

Für wen ist die NovaSure-Methode geeignet?

Für alle Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben und deren Gebärmutter nicht übermäßig groß ist. Dies kann der der Frauenarzt bereits im Vorfeld per Ultraschall abklären.

Foto: Matthias Grimme